Die Felszeichnungen Skandinaviens

Ristninger, oder im Deutschen Felszeichnungen/ -ritzungen genannt, sind in ihrer Form die wohl ältesten Zeugnisse der Menschheit die erhalten sind und deren Intention darin bestand Informationen in schriftlicher Art und Weise nachkommenden Generationen zu übermitteln, wie auch mit diesen zu "leben". Noch ältere Zeugnisse der Informationsweitergabe werden wohl kaum gefunden werden, da Schreibmedien wie Tierhäute und Holz nicht ewig halten. Falls je Fundstücke gefunden werden sollten, die älter als die von den Archäologen als Steinzeit bezeichnete Ära (bei mir besitzt diese Ära den Namen "Holzzeit") sind, wäre dies eine Umwälzung von festgefahrenen Denkstrukturen die viele Wissenschaftler schier verzweifeln lassen würde, wird den Menschen doch zu jener Zeit nicht viel mentales zugetraut (welch Arroganz!).

Wenn man neben solchen Zeichnungen steht, wie in der Höhle von Lasceaux, im Atlasgebirge und an vielen anderen Orten dieser Welt oder neben Felsritzungen steht, die aus den ältesten Epochen der Menschheit stammen, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass das Bild von diesen Menschen, was in der Schule vermittelt wird nicht stimmen kann. Im Gegenteil, das Bild wandelt sich schnell in Bewunderung und ein wenig in Ehrfurcht bezüglich der Leistungen die diese Menschen, unsere Vorfahren, vollbracht haben. Dies unterstreichen auch die Bauwerke wie Grosssteingräber, astronomisch genau ausgerichtete Bauwerke wie Stonehenge (England), Newgrange (Irland) und Nebra (Deutschland), deren Bauweise wie auch Intention die Wissenschaftler teilweise heute noch vor Rätsel stellt.

Diese Gedanken kamen mir beim Besuch der Felsritzungen von Hegra in Nordtrøndelag. Dieser Ort war zweifelsohne ein "heiliger" Ort, was viele Symbole und Zeichen, neben der Lage des Ortes eindringlich beweisen. Es sind Zeichnungen aus den drei grossen Epochen der Menschheit vertreten (Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit) und glücklicherweise noch keine aus der vierten Epoche (dem Plastikzeitalter). Die wohl ältesten Symbole sind jeweils paarig angeordnete Ovale mit einem waagerechten Strich in einer Verjüngung eines jeden Ovals. Es sind SCHUHABDRÜCKE!!! Der Strich symbolisiert die Kerbe für die Schnur um die Schuhplatten am Fuss zu halten. Normalerweise müsste gleich die Frage kommen: Warum ausgerechnet Schuhabdrücke? Und die Antwort die ich mir zusammengereimt habe ist folgende: Wenn wir uns an irgendwelchen Orten die uns etwas bedeuten "verewigen" wollen, ritzen, malen, sprühen wir unsere Namen, unser Kennzeichen/Logo in Holz und in/an Stein. Genauso haben es also auch die "Alten" gemacht nur mit ein wenig mehr Nachdruck, wie ich finde. Die Information ist einfach: "ICH, war hier!", aber im Gegensatz zu der Abstraktion der Schrift unserer Tage haben sie etwas individuelles eingeritzt, eben ihren Schuhabdruck, denn jeder Schuh ist genauso individuell wie sein Träger. Zumindestens galt das damals noch und leider nicht mehr in unserem heutigen Zeitalter der Massenproduktion. Was für ein Ausdruck, was für eine Aussage! Dagegen wirkt unser heutiges Gekritzel regelrecht blass. Aber zurück zu den Ritzungen von Hegra. Desweiteren sind Symbole wie das Sonnenrad, punktierte Kreise und Spiralen, sowie Tierzeichnungen vertreten, was auf einen Jagd- und eventuell Fruchtbarkeitskult hindeutet. In der Bronzezeit kamen Ritzungen von Menschen hinzu und mit der beginnenden Eisenzeit Schiffe.

Wenn man diesen Fluss der Informationen über die Zeit betrachtet, von der ausdrucksstarken Aussage "Hier war ich!", über die Erzählung einer Begegnung mit einer grossen Anzahl von Schiffen (Bronze-/Eisenzeit) bis hin zu den Runensteinen im Mittelalter im nordischen Raum und weiter bis zu den Denkmälern und Grabsteinen unserer heutigen Zeit, kommt man zum Schluss das der Grad der Abstraktion immer mehr zugenommen hat, der Grad der Individualität hingegen abgenommen hat. Von der Wichtigkeit oder besser vom Wesentlichen in der Steinzeit zum Unwesentlichen in der Jetztzeit, oder will etwa jemand behaupten, das das geschriebene Wort auf Papier wichtiger, wesentlicher und "ewiger" ist, als die Aussage "Hier war ich" inform eines Schuhabdruckes in Stein. Zum Verständnis: Namen sind veränderlich und bekanntlich Schall und Rauch, jedoch ist ein ICH ein ich, also gleich einem Individuum und somit gilt dann der Satz: "ICH bin ich". ;o)


Schuhabdrücke aus der Steinzeit ... - Hegra, Sørtrøndelag

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