Einleitung

In unserer heutigen Zeit, in der wir gewohnt sind alles das zu glauben was geschrieben steht, erscheint das Lesen eines Gedichtes das der Skaldischen Dichtkunst, der Skaldik, zugeordnet ist als unverständlich oder gar absurd.

Wie oft hat man sich schon die Edda genommen und wie bei allen normalen Büchern der westlichen Welt mit der Seite 1 begonnen, wo in der Edda nun mal die Völuspá, „Der Seherin Ausspruch“, beginnt. Wie schnell hat man aber auch das Buch der nordischen Poetik, Geschichte und Religion wieder weggelegt, als veraltet oder als unverständlich abgetan. Dabei liegt der Fehler nicht am Buch selber oder an der Skaldik, sondern in uns selber, denn WIR sind auf die Belange der Gesellschaft konditioniert worden und nicht das Buch der nordischen Bücher.

Wenn wir uns in die Denk- und Lebensweise der Menschen zur damaligen Zeit zurückdenken, also auf „ihr“ gedankliches Level begeben, was nicht unbedingt heißt, daß dieses Level unter dem unsrigen sich befinden muß, so wird einem schnell klar, wer mehr Fantasie, Poesie, Lebensbewußtsein und Geschichtsbewußtsein besessen hat.

Wir dürfen und können nicht mit unserem Verständnis von der Welt, mit unseren Maßstäben diese Werke messen, ein Versuch muß kläglich scheitern.

Wie beginnt man nun aber sich diesem Problem zu nähern? Im Falle der Edda sollte man vielleicht mit der „Jüngeren“ Edda beginnen und sich damit in die alten Zeiten hineinversetzen lassen, wem dies noch zu schwer erscheint, sollte sich die Norwegischen Königssagen vornehmen, die sind nicht sooo alt.

Was aber war damals anders als heute?

Der ach so moderne Mensch heutzutage denkt plakativ, das heißt, wenn er das Wort Wurst liest, so denkt er sofort an die Salami auf der Pizza, die es im Dönerladen an der Ecke gibt. Nein, das war eben nur ein Scherz. Er denkt in erster Linie an Wurst und wahrscheinlich in zweiter Linie an eine andersfarbige Variante derselben, die man vorzugsweise auf Gehwegen findet. ;o) Kurz gesagt, wir überdenken normalerweise nicht was geschrieben steht, sondern konsumieren alles vorbehaltlos.

Die Menschen damals setzten beim Lesen oder vielmehr Hören eine gewisse Grundkenntnis an Geschichte, Mythologie, Religion und auch die Fähigkeit in mehreren Dimensionen oder Ereignishorizonten zu denken, das heißt Situationen, Gedanken und Handlungen aus mehreren Perspektiven zu beleuchten, zu vergleichen und zu kombinieren, voraus. Dies ist in Bezugnahme auf die Skaldik die allein selig machende Erkenntnis. Es bringt also nichts, sich zwischen der Tagesschau und dem Abendfilm mal die Edda reinzuziehen. Vielmehr sollte man sich ein ruhiges sonniges Plätzchen am Samstag Vormittag suchen, am besten im Wald auf einer Wiese, als Lektüre nehme man sich für den Anfang eines der oben genannten Werke, dazu vielleicht noch eine Norwegen- oder Islandkarte (wer das braucht), eine Flasche Met oder Wein, einen Käse, Brot und Obst und gebe sich dann der Lektüre voll und ganz hin, tauche in die Welten der Mystik, Sagen und Helden ein und genieße die neu gewonnene Freiheit des Denkens.


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