Altes Wissen in unserer heutigen Zeit ...

An dieser Stelle möchte ich einmal beleuchten, ob das alte Wissen, sowie Formen der alten Lebensweise es in unsere heutige Zeit überlebt haben oder sogar gelebt werden.

Als erstes möchte ich die noch fortlaufenden Traditionen erwähnen, bei denen ich teilweise Zeuge wurde. So ist es nach wie vor Brauch zu Mittsommer um die Feuer zu tanzen, genauso wie auch zu Jul, im neueren Sprachgebrauch Weihnachten genannt, um die Tanne zu tanzen. Hier kommt noch das Mitternachtsgeheul (ein Wolfsgeheul) am Juleaften hinzu. Viele Geschichten und Sagen, auch aus der Edda, werden am Weihnachtsabend noch heute, selbst bei christlich geprägten Familien, in der alten Sprache vorgelesen, die als Norrønt bezeichnet wird.

Zum Anderen möchte ich die neu auflebende Form der Skaldischen Kunst erwähnen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut, genauso wie das Lesen der alten Sagen und Bücher. Dazu tragen die sehr exzellenten Übersetzungen von Kurt Schier und anderen Nordistikexperten bei, die in einer nie dagewesenen Qualität sowohl die Dichtungen, als auch die Sagen einem größerem Publikum erschließen und somit zu einem besseren Verständnis der alten Zeiten beitragen. Mit diesen teilweise neu übersetzten Werken tragen sie gleichzeitig dazu bei, den bewußten Mißbrauch und die Verfälschung von Inhalten und Werten durch die Nazis, endgültig einen Riegel vorzuschieben. Einige sehr gute Quellen werden bei der Skaldik erwähnt.

Weiterhin ist auch eine große Zahl von Menschen zu nennen, die sich wie die 'Alten' kleiden und alles detailgenau nachfertigen, meist anhand von Fundstücken. Sie sind akribisch auf der Suche und zeigen manchmal den Vollblutarchäologen, das Archäologen mit ihren Thesen, bezüglich Nutzung von Gegenständen, auch mal daneben liegen können, weil alles eben mal ausprobiert wird. Es sind viele praktisch veranlagte Hobbyarchäologen unter ihnen.

Wenn ich diese Gruppe nenne, so muß ich auch diejenigen nennen, die versuchen Teile der alten Lebensweise in unsere heutige Zeit zu integrieren. Als Beispiel möchte ich hier das nordische Hausrecht anführen. Wo in unserer heutigen Zeit steht für jedem die Türe offen, um sich aufzuwärmen, etwas zu essen und einen warmen Kaffee zu schlürfen und das alles unentgeltlich. Dem Gast steht es frei etwas zu geben, sei es inform von Geld, Geschenken oder eine gute Geschichte. Die Frau hat als gleichberechtigtes Mitglied der Familie die Schlüsselgewalt über den ganzen Hausstand und nicht der Mann. Dies setzt viel Liebe, Vertrauen und Achtung des jeweiligen Partners voraus.

Leider gibt es auch noch die einfachen spirituellen Konsumenten die alles das versuchen aufzusaugen, ohne wirklich auch Konsequenzen ziehen zu wollen. Es sind die Flüchtigen der Gesellschaft, die, wie einer Sucht gleich, ständig etwas neues spirituelles suchen, um sich am Neuen zu berauschen. Sie wollen seelisch aus der Gesellschaft flüchten, können dies aber nicht, da sie zu sehr an der Gesellschaft hängen. Konsum, materialistischer wie spiritueller Art, ist eben Alles in unserer heutigen Zeit ....

Ich möchte zwei Organisationen hier erwähnen, die jeweils von und mit dem Alten Wissen, wie auch der alten Religion leben. Was davon zu halten ist stelle ich jedem frei und ich werde hier auch keine Wertung abgeben, denn dies steht mir nicht zu. Die eine Organisation ist eine in Norwegen anerkannte Religionsgemeinschaft, welche die gleichen Rechte innehat, wie die grossen Religionen. Die Rede ist von 'Bifröst' [Bifröst ist die Regenbogenbrücke in der Edda]. Sie stellt eine Religionsform dar, die in Island vor der Christianisierung weit verbreitet war. Es gibt eine Art "Religions-Hierarchie" (bei Bifröst), das heißt es gibt PriesterInnen, Gode oder Gydia genannt, welche die grossen Feste leiten, gleichzeitig wird Bifröst aber dem Anspruch, das ein jeder seinen Glauben leben darf, wie er das möchte, gerecht. Das heißt es wird jedem freigestellt, wie er die Feste zu begehen hat. Diese Religionsgemeinschaft soll hier als Beispiel für alle Gruppen gelten, die sich allgemein als Asatru bezeichnen, ohne den Anspruch zu erheben, das alle ähnliche oder gleiche Inhalte wie Bifröst vertreten. Eine andere große Gemeinschaft, die man aber nicht als religiös geprägt auffassen sollte, ist 'Forn Sed'. Diese Gruppe versucht das alte Leben und Wissen zu ergründen, nachzuleben und nachzuempfinden, ohne den Bezug zur heutigen Zeit zu verlieren. Dabei werden alte Schriften, Sagen und Mythen, wie auch Rezepte, Werkzeuge und "echte" Volkskunst gesammelt.

Zum Schluß möchte ich noch die Musik und auch die Filmkunst erwähnen. Die Musik, weil es viele Gruppen gibt, die alte Einflüsse teils neu verarbeiten, teils aber auch in ihrer Ursprünglichkeit belassen, was sehr interessante und gute Werke hervorbringt. Stellvertretend für eine Vielzahl von Interpreten möchte ich hier 'Hagalaz Runedance' und 'Garmarna' erwähnen. Als Film kann ich, trotz einiger Bedenken, den '13ten Krieger' mit Antonio Banderas empfehlen, da die Geschichte Ibn Fadlans in diesem Actionfilm die Rahmenhandlung darstellt. Als Actionfilm ist er so lala, aber die Szene, wo Ibn Fadlan Norwegisch lernt, ist wie ich finde sehr gut gemacht. Zu erwähnen ist noch, daß man die nordische Sprache tatsächlich verstehen kann (wenn man beispielsweise der norwegischen Sprache mächtig ist). Dies rechne ich den Filmemachern sehr hoch an, da häufig eher mit klischeehaften Phrasen gearbeitet wird, denn mit echter Sprache. Die Erklärungen über die Mythologie und das nördliche Pantheon, auf meiner DVD-Version, sind teilweise übel fehler- und lückenhaft.

Alles in Allem kann man wohl sagen das die Welt der Alten nicht tot ist, sondern weiterlebt, freilich aber auch sich weiterentwickelt und das ist auch gut so, wenn dies vernünftig vor sich geht und keine seltsamen Blüten und andere Auswüchse treibt, denn das Alte Wissen, wie auch die alte Lebensweise, bergen ein riesiges Potential an Inspiration für das eigene Leben.


Top